Sonntag, 9. November 1997
Hirschluch – Der Beginn einer langen Freundschaft
Waldseminar zum Thema ökologischer Waldbau
Vom 7. bis 9. November fand in der Ev. Jugendbildungsstätte Hirschluch in Storckow bereits das 3. Waldseminar statt. Diese Veranstaltung wird von der DWJ-Brandenburg und der Jugendbildungsstätte in Kooperation durchgeführt. So ging es in den ersten beiden Seminaren vordergründig um den ökologischen Waldbau.
Der Wald Brandenburgs, dem waldreichsten Land in "Neufünfland", besteht zum allergrößten Teil aus Kiefernbeständen. Grund dafür ist nicht etwas die Schönheit der märkischen gemeinen Kiefer, sondern vielmehr die Forstpolitik in der ehemaligen DDR. Wald wurde vordergründig unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten angebaut.
Die Kiefer bot sich daher als Devisenbeschaffer und als vielseitig einsetzbares Nutzholz geradezu an, weil sie geringe Anforderungen an den Nährstoffgehalt des Bodens stellt und schnell nachwächst. Die Folge war, dass alte und natürlich gewachsene Mischwaldbestände in kurzer Zeit für großflächige Kiefernplantagen geopfert wurden. Gerade heutzutage spielen ökologische Gesichtspunkte eine immer stärkerer Rolle in der Holzwirtschaft. Somit verdient das Förderprogramm des Landes Brandenburg für den ökologischen Waldumbau Beifall.
Um diese Erkenntnisse reicher, erprobten sich die Teilnehmer natürlich auch selbst im Waldumbau. Auch Hirschluch war bisher umrandet von etwas langweilig anmutenden Kiefernmonokulturen. An zwei verschiedenen Stellen wurden ca. 1,5 ha des bestehenden Kiefernwaldes durchforstet und gut zur Hälfte ausgelichtet. Die Seminarteilnehmer unterpflanzten daraufhin den ausgelichteten Kiefernwald mit Laubbäumen wie Traubeneiche, Roteiche, Linde, Vogelbeere und Ahorn. Bleibt zu hoffen, dass hier in den nächsten Jahren ein abwechslungsreicher Wald entsteht, der nicht nur für die Erholungssuchenden (wozu Hirschluch übrigens ausgezeichnet geeignet ist) ein Gewinn ist, sondern der auch für größeren Artenreichtum und einen höheren ökologischen Wert sorgt.
Beim letzten Wochenende stand das Leben an Wegesrändern und Zäunen im Vordergrund. Dabei haben wir uns vordergründig mit der Schutzfunktion von Hecken auseinander gesetzt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Zufahrtsstraße zum Jugendheim mit einer Lindenallee von uns verschönt, der sich nun eine Hecke (auch von den Teilnehmerinnen gesetzt) anschließt. Diese besteht aus Vogelbeeren, Linden, Birken, Grauerlen, Sanddorn und Heckenrosen. Es wurde auch etwas Linguster mit in die Hecke gepflanzt, worüber man sich jedoch streiten kann, ob der nicht besser in den Ziergarten gehört.
Bisher waren drei Seminare ein voller Erfolg, nicht zuletzt weil das Wochenende die Teilnehmer bisher nur zehn Mark kostete, die Verpflegung hervorragend ist und Hirschluch auch Freizeitmöglichkeiten wie Volleyball, Fußball und auch Sauna bietet.
Bereits jetzt steht fest, dass es auch ein viertes Waldseminar geben wird und zwar vom 24. bis 26. April 1998. Hierbei wird der spätblühenden Trauben-Kirsche zu Leibe gerückt, vor der auch Hirschluch nicht sicher ist, eine Benjeshecke angelegt und eine Holztreppe gebaut. Wer Lust und Laune hat, sollte sich rechtzeitig den Termin vormerken und sich vor allem in der Landesgeschäftsstelle melden.
Tino Kunert - DWJ Landesverband Brandenburg (424 Wörter)
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