Dienstag, 6. Juni 1989  

Jugendliche praktizieren naturnahen Umweltschutz

Waldjugend und Waldkäuze helfen bei Arbeitseinsätzen im Tegeler Forst

Dass sich trotz des andauernden Waldsterbens und umfassender schädlicher Umwelteinflüsse etwas für den Wald tun lässt, beweisen seit einigen Jahren tatkräftige Berliner Jugendliche. "Wir wollen nicht nur im Saal sitzen und über Umweltschutz reden, sondern praktische Arbeit vor Ort leisten", schildert der Lehrer Marian Przybilla das Grundprinzip der Deutschen Waldjugend, deren Berliner Sektion von ihm initiiert, 1987 gegründet wurde.

Neunzehn Jugendliche im Alter zwischen 13 und 22 Jahren widmen einen Teil ihrer Freizeit Arbeitseinsätzen im Forstrevier Tegel-Nord. Betreut und angeleitet von Förster Klaus Hamer, entfernen die Jugendlichen etwa Stangenholz aus dem Waldgebiet oder nehmen "Wertästungen" vor, das heißt, sie schneiden überzählige seitliche Baumäste ab.

"Im Schulunterricht dominiert die Theorie. Den meisten Jugendlichen fehlt heute die Möglichkeit, Naturzusammenhänge unmittelbar sinnlich nachzuvollziehen", erklärt Przybilla. So stand auch eine bei der diesjährigen Grünen Woche von der Waldjugend und den Waldkäuzen vorbereitete Veranstaltung unter dem Motto "Wald er-leben, be-greifen, ein-sehen".

Die Waldkäuze entstanden als Gruppe vor vier Jahren an der Reinickendorfer Max-Beckmann-Gesamtschule. Ihr Ansatz ähnelt stark dem der Waldjugend Berlin. "Die Jugendlichen haben die Gewißheit, etwas Sinnvolles zu tun. Ihre Arbeit im Wald bringt ihnen sichtbare Erfolgserlebnisse", betont Hans-Ulrich Kreusler, Lehrer an der Beckmann-Schule und Betreuer der Waldkäuze.

Zur Zeit liegt der Arbeitsschwerpunkt der zwanzigköpfigen Gruppe in Heiligensee. Dort betreuen die 14- bis 20-jährigen den Bereich des Lindenpfuhls. In erster Linie stehen waldpflegerische Arbeiten auf dem Programm, die Hans-Ulrich-Kreusler als "unpopuläre Maßnahmen" bezeichnet. Die Jungen und Mädchen beseitigen Gewächse wie Traubenkirschen, die sich – da sie in den hiesigen Breiten keine natürlichen Feinde haben – unkontrolliert ausbreiten. "Spaziergänger protestieren oft, wenn sie sehen, dass wir Gewächse herausreißen. Doch diese Arbeit ist wichtiger Bestandteil der Waldpflege, da dadurch Platz für in Berlin typische Bäume geschaffen wird", so Kreusler.

Waldjugend und Waldkäuze gehören in Berlin zur Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Mitglieder beider Gruppen fahren regelmäßig zu Jugendwaldeinsätzen ins Bundesgebiet. Um an solchen Arbeitseinsätzen im Schwarzwald oder der Lüneburger Heide teilzunehmen, müssen Jugendliche allerdings nicht Mitglied in einer der beiden Gruppen sein.

Jugendwaldeinsätze werden auch für Berliner Schulklassen angeboten, die vierzehn Tage lang – bei kostenloser Unterbringung und Verpflegung – praktische Erfahrungen in der Waldpflege sammeln können. "Solche Fahrten bringen erheblich mehr als ein Wandertag. Die Schüler sind begeistert von der Möglichkeit, außerhalb des Klassenraums Naturkreisläufe zu erleben", erzählt Marian Przybilla.

In diesem Jahr werden Mitglieder der Waldkäuze im Sommer auf Einladung des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz eine Woche lang in der Region Vogelsberg ihre in Berlin erworbenen Fertigkeiten bei der Waldpflege anwenden können.


Gudrun Giese - Berliner Morgenpost (410 Wörter)
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