Waldbrandgefahr in Brandenburg

Das Gefährdungspotenzial ist nicht zu unterschätzen

Das Land Brandenburg zählt zu den Regionen in Europa, die am meisten waldbrandgefährdet sind. 30 Prozent aller Waldbrände in Deutschland lodern in den Wäldern Brandenburgs auf. Im ersten Halbjahr 2002 sind dort bereits mehr als 120 Brände aufgetreten, bei denen rund 25 Hektar Wald geschädigt wurden. In elf US-Bundesstaaten wüten Ende Juni 2002 etwa 16 Waldbrände.

Insgesamt sind in den Vereinigten Staaten im ersten Halbjahr 2002 bereits mehr als 700.000 Hektar Land verbrannt. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre zu dieser Jahreszeit. Als Ursachen gelten die jahrelange Dürre im Westen der USA, die frühe Sommerhitze und tonnenweise Unterholz, das aufgrund der „erfolgreichen Brandbekämpfung“ in den vergangenen Jahren liegen geblieben ist und beim kleinsten Funken wie Zunder brennt.

Wenngleich Waldbrände in Deutschland meist weniger spektakulär sind, so ist das Gefährdungspotenzial dennoch nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt, in denen solche Brände durchaus wichtige Funktionen bei der Walderneuerung haben können, haben Waldbrände in Mitteleuropa neben dem ökonomischen Schaden für die Forstwirtschaft meist erhebliche negative Auswirkungen auf das Ökosystem. Vor gut zehn Jahren brach am 30. Juni 1992 ein großflächiger Waldbrand nördlich von Berlin im Landkreis Oberhavel aus. Innerhalb kurzer Zeit waren 265 Hektar des Landschaftsschutzgebietes Briesetal zerstört. Die Waldjugend half damals bei der Wiederaufforstung (siehe Info II / 1993). Auch im ersten Halbjahr 2002 sind in den Brandenburger Wäldern bereits mehr als 120 Brände aufgetreten, bei denen rund 25 Hektar Wald geschädigt wurden.

In den Berliner Wäldern gab es ebenfalls bereits größere Feuer. Das Bundesland Brandenburg hat eine Waldfläche von etwa 1,1 Millionen Hektar und zählt aufgrund des hohen Anteils an Kiefernreinbeständen mittleren Alters, der leichten Sandböden, welche kaum Wasser halten, und der vergleichsweise geringen Niederschlagsmengen zu den am meisten waldbrandgefährdeten Gebieten Europas. So treten etwa 30 Prozent aller Waldbrände in Deutschland in Brandenburg auf. Bezogen auf die Fläche sind es sogar 67 Prozent.

Mehr als 90 Prozent der Waldbrände werden von Menschen verursacht. Die einzige natürliche Ursache ist der Blitzschlag. Durch unvorsichtigen Umgang mit offenem Feuer und Rauchen im Wald kommt es jedes Jahr zu zahlreichen Waldbränden mit hohem Schaden. – Aus gutem Grund also ist das Rauchen, das Feuermachen sowie der Umgang mit brennenden und glimmenden Gegenständen in Wäldern, Heiden und Mooren nach § 23 des Waldgesetzes des Landes Brandenburg ganzjährig verboten. Dies gilt auch für einen Bereich von bis zu 50 Metern vom Waldrand entfernt. Ein Verstoß gegen dieses Gesetz kann teuer werden: Bis zu 20.000 Euro Geldbuße verhängt das Land für eine solche Ordnungswidrigkeit.

Nach dem Gefährdungspotenzial sind die Wälder in vier Waldbrand-Gefahrenklassen von A1 (Gebiete mit sehr hoher Waldbrandgefahr) bis C (Gebiete mit geringer Waldbrandgefahr) eingeteilt. Weite Teile der Brandenburger Wälder sind in die Waldbrand-Gefahrenklassen A1 und A eingestuft. Zur Kennzeichnung der aktuellen Waldbrandgefahr werden im Zeitraum Februar bis September auf der Grundlage exakter Messwerte der Niederschlagsmenge, der Luftfeuchtigkeit, der Windgeschwindigkeit und des Vegetationszustandes Waldbrandwarnstufen von I bis IV ermittelt und veröffentlicht. Ab Waldbrandwarnstufe III kann das Betreten von Wäldern verboten werden.

Um Waldbrände wirkungsvoll bekämpfen zu können, müssen sie so früh wie möglich erkannt und genau lokalisiert werden. Diese vorbeugende Überwachung gewährleistet die Landesforstverwaltung durch die Besetzung der 133 Feuerwachtürme im Land entsprechend der ausgelösten Waldbrandwarnstufen. Die Waldbrandüberwachung wird zunehmend durch kameraunterstützte Überwachungssysteme ergänzt. Ab Waldbrandwarnstufe III ist eine zusätzliche Flugüberwachung möglich. Eine erste kameraunterstützte Versuchsanlage wurde im Jahre 1999 bei Peitz in Betrieb genommen. Das Waldbrandfrühwarnsystem „Fire-Watch“ registriert und meldet Rauchwolken ab zehn Metern Durchmesser und deckt einen Radius von bis zu zehn Kilometern ab. Bis Ende 2006 werden 90 solcher Anlagen im Land installiert.

Das Brandenburger Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz MLUV misst dem ökologischen Waldumbau eine hohe Bedeutung auch bei der Reduzierung der Waldbrandgefahr bei. Das Konzept sieht den Umbau von Kiefernbeständen zu reich strukturierten, ungleichaltrigen Mischbeständen aus Laub- und Nadelholz auf den in Frage kommenden Standorten vor. So sollen in den kommenden Jahrzehnten etwa 100.000 Hektar Kiefernwald restrukturiert werden. Als präventive Maßnahmen fördert das Land Brandenburg auch die Anlage von Laubholzstreifen als Waldbrandriegel im Rahmen von planmäßigen Wiederaufforstungen. Zu den geförderten Maßnahmen zählen die Kulturvorbereitung, die Bodenbearbeitung, die Saat und Pflanzung sowie der Schutz der Kultur gegen Wild.

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