Montag, 2. September 2002  

Waldjugend hilft nach Hochwasserschäden

Beseitigung der Hochwasserschäden in der Umgebung von Dresden

Bei der "Großen Flut" in Hamburg 1962 und nach der Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen 1975 und den nachfolgenden Aufforstungen in den Jahren 1976 und 1977 war die Waldjugend zu Stelle. Nach der Flutkatastrophe in Ost- und Süddeutschland organisiert die Waldjugend Dresden eine Aufräumaktion zur Beseitigung der Hochwasserschäden in der Umgebung von Dresden.

Unser erster Hilferuf ist angekommen und verstanden worden. So haben sich viele Waldläufer und befreundete Pfadfinder am vergangenen Wochenende auf den Weg Richtung Dresden gemacht, versehen mit Gummistiefeln, Motorsägen, Handschuhen, Spaten und Schaufeln. Schnell stellten sie fest, dass sie dort wirklich gebraucht wurden und die Bevölkerung ihre Hilfe dankbar annahm.

Die Arbeiten sollen am kommenden und den weiteren Wochenenden fortgesetzt werden. Viele – besonders ältere Menschen – stehen hilflos vor ihrem zerstörten Hab und Gut und wissen nicht weiter. Oft fehlt ihnen die Kraft zum Aufräumen. Ihnen wollen wir helfen und Seite an Seite mit denen arbeiten, die aus Berlin oder Bayern, Österreich, ja sogar aus Moskau und England angereist sind.

Wer es einrichten kann, sollte Freitags bis Sonntags nach Dresden fahren, da besonders am Wochenende gut gearbeitet werden kann. Treffpunkt ist das "Haus des Wald", die Landesgeschäftsstelle der DWJ Sachsen. Von dort aus werden alle Personen eingeteilt. Verpflegung wird gestellt und Unterkunft ist das "Haus des Waldes".

Für alle Absprachen wendet Euch bitte direkt an Micha: Telefon (0351) 421 28 86 oder 0174 – 606 85 14. Das ist insbesondere wichtig, wenn Ihr mit dem eigenen Auto anreisen wollt, denn manche Gebiete dürfen nur mit Genehmigung befahren werden, zum Schutz vor Plünderern. Übrigens kann man kostenlos mit der Bahn anreisen, wenn man eine Bescheinigung des Verbandes vorlegt, der die Hilfsaktionen durchführt.

Nachfolgend die ersten Eindrücke von Ingo, der am Dienstag aus dem Einsatzgebiet zurückgekehrt ist.

Der erste Hochwassereinsatz der DWJ ist erfolgreich zu Ende gegangen. Über 30 Waldläufer aus Nordrhein Westfalen, Hessen und Sachsen sowie einige Pfadfinder waren in dem Ort Dohna an der Müglitz, südöstlich von Dresden, im Einsatz.

Von Samstagmorgen bis Sonntagabend waren wir mit der Schadensbeseitigung beschäftigt. Diese bestand hauptsächlich darin, unbrauchbar gewordene Gegenstände an die Straße zu schleppen, angefangen vom Rasenmäher bis zum Kühlschrank. Anschließend musste der Schlamm aus den Gärten und Schuppen entfernt werden.

Unser Hauptaugenmerk haben wir auf ältere und allein stehende Menschen bzw. auf sehr stark verwüstete Grundstücke gelegt. Die Bevölkerung ist unendlich dankbar für die geleistete Arbeit. Und viele Menschen, für die wir gar nicht gearbeitet hatten, versorgten uns mit Nahrung und Getränken, so dass wir fast ohne Verpflegung durch die Einsatzleitung ausgekommen wären. Zwischendurch gab es immer wieder Zeit zu einem Gespräch, für die Betroffenen eine willkommene Abwechslung in ihrer traurigen Lage. – Einige haben fast alles verloren!

Wir stehen hier vor der bisher wohl größten Umweltkatastrophe unserer Geschichte. Im Bewußtsein, dass dieses Wochenende nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann, sind weitere Einsätze geplant. Dafür werden nicht unbedingt Fachkräfte benötigt. Jeder der guten Willen, Humor und Tatgeist mitbringt, ist willkommen! Eigenes Werkzeug ist wünschenswert (Schaufeln, Gartengabeln, wenn möglich Schubkarren, evtl. Axt und Sägen). Besonders Schubkarren sind Mangelware. Für den persönlichen Schutz sind Gummihandschuhe, Stiefel bzw. festes Schuhwerk sowie lange Hosen angeraten. Über die Kosten einer Impfung gegen Hepatitis sollte man sich bei seiner Krankenkasse informieren. Ein Krankenschein sollte nicht fehlen, genauso wie Desinfektionsmittel. Da die Mücken ihre Eier in das verseuchte Wasser legen, können sie durch ihre Stiche Infektionen verursachen und Krankheiten übertragen. Wendet Euch hierzu mal an die Hilfsverbände oder einen Arzt, die helfen Euch sicher gerne weiter.

Meine Bitte: Helft den Betroffenen durch Eure Arbeit, fast jeder der will, kann helfen. Wenn wir ehrlich sind, haben wir alle schon für weniger wichtige Dinge mehr Energie aufgewendet als nötig ist, um in die Hochwassergebiete zu gelangen. In der Regel wird auch Sonderurlaub bewilligt. Bescheinigungen gibt es über Tönnchen. Ansonsten braucht ihr Euch um nichts zu kümmern: Verpflegung gibt es kostenlos und die Unterbringung ist im "Haus des Waldes" der DWJ Dresden in einer alten Schule. Euer Ansprechpartner ist Micha, Horstleiter in Dresden.

Alle Beteiligten vom vergangenen Wochenende würden wohl wieder mitfahren. Jeder von uns konnte in diesem Einsatz Eindrücke sammeln und Erfahrungen machen, die kein Reporter der Welt 'rüber bringen kann. Und das wichtigste: Man hilft seinen Mitmenschen. Dieses Hochwasser hat gezeigt, was alles passieren kann, auch wenn man es zuvor nicht für möglich hielt. Jeder von uns kann irgendwann von solch einer Naturkatastrophe betroffen sein und erwartet dann, natürlich und selbstverständlich, Hilfe!

Gruß und Horrido! Ingo


Tönnchen - DWJ Bundesverband e.V. (727 Wörter)
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