Donnerstag, 1. März 1990  

1. Waldschutzeinsatz im Potsdamer Königswald

Schnelles Handeln für den Wald

Nur 18 Tage lagen zwischen dem ersten Gespräch zwischen dem pensionierten West-Berliner Forstamtsrat und Marian Przybilla, Leiter der Berliner Waldjugend, bis der gemeinsame Ost-West-Forsteinsatz im Königswald bei Potsdam begann.

Heinz Nehmitz, Mitglied der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und ehemaliger Nachbarförster von Potsdam, knüpfte Kontakte zur Potsdamer Oberförsterin Waltraud Schlick. Bei Waldbegehungen konnten beide sehen, wie rücksichtslose Besucher mit ihren Autos Waldwege befahren und sogar am Schilfgürtel abstellen. Hier war gemeinsames handeln gefordert. Es lag deshalb nahe, beispielhaft den Königswald mit der Zufahrtsstraße zur bekannten Heilandskirche in Sacrow zu schützen. Besonders an Wochenenden ist die Kirche in West-Berliner Sichtweite Anziehungspunkt; konnten doch erst zu Weihnachten seit Jahrzehnten ein erster Gottesdienst mit viel bekannten Leuten hier gefeiert werden. In der Nähe liegt auch das Bodendenkmal Römerschanze aus dem Jahre 1000 v.Chr. mit einem herrlichen Baumbestand. Hier wird ein weiterer Forsteinsatz der Waldjugend stattfinden.

Die Anfrage an die Deutsche Waldjugend um Hilfe wurde schnell beantwortet. SDW und Waldjugend riefen zu einem praktischen Einsatz in Potsdam am Wochenende vom 9. bis 11. März 1990 auf; "sanfter Tourismus" wurde in die Tat umgesetzt. Eine welle der Hilfsbereitschaft setzte ein. Auf Initiative von Forstdirektor Meierjürgen und mit tatkräftiger Unterstützung durch Forstamtsleiter Grund von den Berliner Forsten konnte Material und gerät aus West-Berlin organisiert werden. Hans Kiefer, der Landesleiter der Waldjugend in Hamburg und dort als Forstwirtschaftsmeister tätig, mobilisierte die Hamburger Forstverwaltung, die sich ebenfalls überaus großzügig beteiligte.

Zum Einsatz kamen Waldläuferinnen und Waldläufer aus Berlin, Hamburg, Remmels, Lübeck, Bielefeld und Winden. Sofort erklärten sich auch die Waldkäuze, eine schulische Arbeitsgruppe der SDW-Berlin, dazu bereit.

Wie selbstverständlich arbeiteten der Vorsitzende der SDW-Berlin, Forstwirtschaftsmeister Lippert, und der stellvertretende Vorsitzende Hans-Joachim Bach mit. Junge Forstwirte aus Berlin unterstützten die Waldjugend. Spontan packten auch 30 junge Forstarbeiter der Oberförsterei Potsdam in ihrer Freizeit zu. Rund 80 junge Leute aus Ost und West beteiligten sich an dieser Naturschutzaktion.

Die Waldläufer fanden ihr Quartier in der Oberförsterei; Mittagessen gab es aus der Gulaschkanone der Volksarmee, abends Grillwürstchen aus Potsdam; weitere Verpflegung finanzierte die Stiftung Naturschutz Berlin.

Revierförster Georg aus Krampnitz und die Oberförsterin Schlick, Chefin eines Waldes, der größer als der gesamte West-Berliner Wald ist, sehen dem motorisierten Touristeneinfall nun gelassener entgegen: 186 Holzpoller wurden entrindet und eingegraben, 12 Holzschranken fertig gestellt, 17 Schilderpfähle aufgestellt. Ber der nächsten Aktion wird weitergemacht, der angelegte Parkplatz an der früheren Sperrmauer gestaltet, Biotoppflege an der Römerschanze betrieben. – Potsdam wird 1993 schließlich 1.000 Jahre alt. Übrigens: die Oberförsterin konnte die sowjetischen Streitkräfte dazu bewegen, eine Badestelle in diesem Bereich "abzurüsten".


Marian Przybilla - DWJ Berlin (413 Wörter)
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