Naturnaher Waldumbau in Neu-Fahrland
Vom 18. bis 22. April fand das 14. Osterlager der Berlin-Brandenburger Waldjugend am Ufer des Krampnitzer Sees mit zahlreichen Waldläufern aus Berlin, Brandenburg und Sachsen sowie einer Waldläuferin aus Berlin statt.
Im Rahmen der 34. Waldschutzaktion im Landespatenforst Königswald wurden verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben betraut. So wurde die Arbeit an der Römerschanze fortgeführt: Es wurden Handläufe erneuert und eine zweite Info-Tafel zur 3.000 Jahre alten Geschichte der Römerschanze aufgestellt. Auch entlang der Straße zwischen Krampnitz und Sacrow mussten einige Handläufe und Poller erneuert werden. Dies waren aber nur Ergänzungsarbeiten oder der Austausch der "ersten Generation", die nach 14 Jahren ihrem natürlichen Ende entgegen ging. Die in den Vorjahren notwendigen Erneuerungen mutwillig zerstörter Handläufe und Poller entfielen. Ein schönes Erlebnis, wenn man seine Arbeit nicht jedes Jahr von Neuem beginnen muss!
Das größte Einzelprojekt fand in Neu-Fahrland statt. Auf Grund der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht musste die Forstverwaltung in einem als Erholungsgebiet beliebten Stück Landeswald, unweit der Heinrich-Heine-Klinik, zahlreiche Kiefern fällen. Der mehr als 140 Jahre alte Kiefernoberstand war inzwischen stark vom Kiefernbaumschwamm befallen und stellte somit eine erhebliche Gefahr für die Waldbesucher dar. Dieses Waldstück wird sehr häufig durch die Patienten der Kurklinik genutzt, auch im Rahmen von Therapien. Ziel ist es, nach dem Einschlag dort mittelfristig über den bereits vorhanden Unterstand einen Mischwald aus Buche und Eiche zu etablieren, wie er für diesen Standort typisch ist. Im Fokus der naturnahen Waldwirtschaft soll diese Waldform die während der DDR-Zeit vorherrschende Bewirtschaftung in Monokulturen langfristig ersetzen.
Um die Naturverjüngung zu fördern, wurde damit begonnen, rechts und links der Wege Benjes-Hecken anzulegen. Revierförster Peschke umschrieb den Hintergrund der Aktion plakativ mit einem Satz von Hermann Benjes: "Die Vögel scheißen sich ihre Hecke selbst zurecht." – Die Benjes-Hecke bietet für zahlreiche Vogelarten einen geschützten Lebensraum. Mit ihrer Nahrung nehmen die Vögel Samen auf und scheiden diese an anderer Stelle wieder aus. Auf diese Weise wächst und stabilisiert sich das Ökosystem selbst, ohne allzu großen menschlichen Eingriff. In ein paar Jahren, so die Erwartung, entsteht dort auf natürlichem Wege ein Mischwald.
Und so schichteten etwa 20 Waldläufer aus Berlin, Guben, Chemnitz und Mühlsen, nicht nur unter fachlicher Anleitung, sondern auch mit tatkräftiger Unterstützung des Revierförsters, etwa drei Meter rechts und links des Weges den liegen gebliebenen Reisig der gerodeten Kiefern zu etwa 1.000 Metern Benjes-Hecke auf. Als Nebeneffekt wird auch die Waldbrand-Gefahr verringert, die an diesem Wochenende bereits die höchste Warnstufe vier erreicht hatte. – Dieses Projekt soll von einer Berliner Sozialeinrichtung fortgeführt werden.
Aufgewachsen in einer Zeit, in der das Ökosystem Wald stark von Menschenhand beeinflusst wurde, haben manche Leute noch das Bild vom "sauberen Wald" im Kopf. "Für einige Menschen muss ein Wald aussehen, als sei da gerade jemand mit der Harke durchgegangen", klagt Uwe Peschke über das Unverständnis, welches einige Anwohner den forstlichen Maßnahmen entgegen bringen. Um sein Vorhaben verständlicher zu machen, wurden auch Pressevertreter eingeladen, um über die Hintergründe der Aktion zu berichten.
Auch an anderer Stelle scheint das Konzept der Aufklärung und Information aufzugehen: Nachdem wir im vergangenen Jahr an der Römerschanze die erste Info-Tafel installiert haben, sind die Schäden durch Mountain-Biker spürbar zurückgegangen. Nach getaner Arbeit gab es am Ostersamstag abends in der Hochjurte einen spannenden und interessanten Vortrag über Kambodscha. Nicolas zeigte Dias von seiner Reise durch das südostasiatische Land. Anschließend wurde das Osterfeuer enzündet und es gab Tschai und Stockbrot.