Freitag, 9. März 1990
Jugend aus Ost und West zum Waldschutz in Potsdam
Vor dem motorisierten Touristeneinfall – Einsatz am Wochenende
Erste Beispiele für das bald wohl Unvermeidliche lassen sich bereits bei Mutter Natur im Potsdamer Forst sehen: Autos mit Kennzeichen "D" stehen im Krampnitzer Forstrevier in der Nähe der anziehungsstarken Sacrower Heilandskirche besonders an Wochenenden rücksichtslos auf Waldwegen und werden bis ans Ufer in Schilfgürtel der Wasserbuchten gerollt. Größerer Invasionen im Frühling und Sommer gewärtig, machen sich morgen und am Sonntag 50 junge Leute aus Potsdam, West-Berlin und anderen Orten der Bundesrepublik im Krampnitzer Revier an die Arbeit, um mit Holzpollern, hölzernen Barrieren, Hinweisschildern und anderem dem Wald und auch den Ufern Schutz vor menschlicher Rücksichtslosigkeit zu geben. Das ist eine Unternehmung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nach Absprache mit der Potsdamer Oberförsterin Waltraud Schlick.
Frau Schlick wird die deutsch-deutsche Waldjugend heute Abend in der alten Oberförsterei der Potsdamer Waldstadt empfangen, dabei für ihre jungen Gäste Grillwürste aufs Rost legen, ein Lagerfeuer entfachen lassen, und die 50 jungen Helfer werden so vor dem Schlafengehen im alten Forsthaus den Beginn ihres Einsatzes feiern.
Am Sonnabend morgen geht's dann in den Wald, ausgerüstet mit Werkzeug der Potsdamer Oberförsterei und auch aus West-Berliner Forstämtern.
Die Waldschutzunternehmung kam nach Gesprächen von Revier zu Revier über die Havel hinweg zwischen Oberförsterin Schlick und dem West-Berliner pensionierten Forstamtsrat Nehmitz zustande, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald machte sogleich unter ihren jungen Waldschützern mobil, die auch von den "Waldkäuzen" der Reinickendorfer Max-Beckmann-Gesamtschule unterstützt werden.
Wenn die jungen Leute beim ersten Anlauf nicht alles schaffen, dann werden sie die begonnene Arbeit aber bald fortsetzen.
Erk, Der Tagesspiegel / Berliner Teil (246 Wörter)
Themen: Forsteinsatz, Königswald, Medienecho, Patenforst, Zeltlager