Donnerstag, 13. März 2003   Landkarte (Beta)

Am Mauerstreifen gewerkelt

Waldjugend lud auf das Gelände des ehemaligen Grenzwachturms

HOHEN NEUENDORF – "Achtung, Gegenverkehr!" hieß es am Sonnabend immer wieder im Naturschutzturm am Rande von Hohen Neuendorf. Wer die engen Leitern des ehemaligen Grenzwachturms hinaufsteigen wollte, musste erst einmal die Entgegenkommenden vorbeilassen. Denn es herrschte Hochbetrieb auf der Aussichtsplattform. Mehrere Hundert Besucher nutzten den "Tag der offenen Turmtür" der Deutschen Waldjugend zu einem Besuch auf dem früheren Mauerstreifen an der Grenze zu Berlin-Frohnau.

"Das Interesse ist größer als in den vergangenen Jahren", stellte Waldjugend-Gruppenleiter Marian Przybilla fest. Zum ersten Mal fand der Aktionstag im Frühjahr statt. Damit wollte man die im Sommer unvermeidlichen Kollisionen mit anderen Veranstaltungen umgehen. Zwar ist in der Natur nach dem kalten Winter noch nicht viel zu sehen, aber die Waldfreunde gaben sich Mühe, den Besuchern einen interessanten Einblick in ihre Arbeit rund um den Wachturm zu geben. Sie präsentierten ihre selbst gebaute Kompostieranlage, ein Feuchtbiotop, ein Schilf-Klärwerk und Dachbegrünungen.

Fotoausstellungen informierten nicht nur über Flora und Fauna, sondern auch über die Geschichte des Turms. Denn nach wie vor wollen viele Besucher auch sehen, was von den Grenzbefestigungen übrig geblieben ist. Einige Reste des Mauerfundaments haben die Naturschützer erhalten und in den Rundweg durch das Gelände einbezogen. Auch der 13-jährige Matthias ist vor allem deshalb gekommen. Dass hier einmal zwei Staaten aneinandergrenzten, kann er sich nicht vorstellen. "Aber die anderen Sachen waren auch cool", befand er und meinte damit die Aktionen der Waldjugend zum "Tag der offenen Tür".

Am Lagerfeuer konnte man Stockbrot backen, Nistkästen für Vögel und Fledermäuse wurden vor den Augen der Besucher gezimmert und auch gleich verkauft. Auch Weidenzweige konnte man gegen eine Spende für die Waldjugend mit nach Hause nehmen. Eine Idee, die wie viele andere von den etwa 15 aktiven Kindern und Jugendlichen der lokalen Vereinsgruppe kam, wie Marian Przybilla erzählt. Immer wieder wird deshalb in dem Garten rund um den Wachturm etwas neu angelegt oder umgestaltet. Auch außerhalb des eigenen Geländes gibt es viel zu tun. Die Vereinsmitglieder fühlen sich nämlich für den gesamten Wald auf dem einstigen Hohen Neuendorfer Grenzstreifen verantwortlich. So konnten sie nach den Stürmen des vergangenen Sommers den überlasteten Förstern helfen, indem sie selbst die Wege von umgestürzten Bäumen befreiten.

Neben den wöchentlichen Treffen stehen auch regelmäßige gemeinsame Ferienfahrten auf dem Programm. Kein Wunder, dass sich viele langjährige Mitstreiter der Waldjugend nicht von ihrem Verein trennen können: Manche Aktive sind inzwischen älter als 30 Jahre.


kid, Märkische Allgemeine (393 Wörter)
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