Liebe auf den ersten Blick
Schon im Januar hatten die Berliner gehört, daß nördlich von Berlin, angrenzend an ihren Patenforst in Tegel, eine Lehrerin mit jungen Leuten so ähnlich arbeitet wie die Waldjugend. Im Juni dann: Gesucht und gefunden, "Liebe auf den ersten Blick" – und ein Grenzturm im ehemaligen Todesstreifen.
Die Biologielehrerin von der EOS Oranienburg heißt Helga Garduhn ("Dieti"), inzwischen auch liebevoll "Turmfee" genannt. Bereits seit 1974 betreut sie eine Schülerarbeitsgemeinschaft (AG). Seit 1988 trifft sich die AG in Dietis Keller, und so entstand der Name "Ökokekis" als Abkürzung für "Ökokellerkinder". Leider sieht es so aus, daß die Jugendlichen ihren Namen bald ändern müssen. Der Keller ist ein "Westgrundstück" und der Eigentümer will das Haus nutzen (die Freude über die Einheit steigt!).
Die jungen Leute trafen sich unabhängig von der FDJ, was die Arbeit nicht gerade erleichterte. Sie machten Naturschutzeinsätze, beschäftigten sich mit Natur und Umwelt, halfen bei der Gestaltung im Lehrkabinett Briesetal. Im Stadtzentrum von Oranienburg betreuen sie einen "Umweltschaukasten". Seit der Wende erstellen sie die "Fluchblätter" für die Bevölkerung.
Zwischenzeitlich hatte Dieti einen Grenzturm bekommen. Wie selbstverständlich versprachen die Berliner, gemeinsam aus dem Turm eine Naturschutzstation aufzubauen. Viel Arbeit wartete. Das größte Problem war, ein sicheres Schloß einzubauen, denn nach der Rückkehr vom Bundeslager war das erste Schloß geknackt, vieles demoliert, demontiert, gestohlen. Die Väter von Alex und Mario lösten das Problem für den Turm und den kleinen Bunker; Danke! Weitere Hilfe kam vom Patenförster. Er besorgte Zaunmaterial für das Gelände um die Station. Der StFB Oranienburg mit Direktor Fischer und Oberförster Charwatt unterstützten das Vorhaben. Eine kleine Finanzspritze gab auch die Schülerzeitung "Penner" von der EOS (für Westdeutsche: Erweiterte Oberschule, entspricht dem Gymnasium).
Sehen kann man schon einiges: Maxi und Elöd von den "Ökokekis" kamen auf die Idee, das große DWJ-Zeichen an den Turm zu malen (Arne wurde dabei schön weiß). Am "Aktionstag" im November waren über 30 Helfer da (der Kuchen der älteren Generation schmeckte vorzüglich); Alex und Christian kamen sogar aus Guben von der polnischen Grenze zum Helfen! Wieviele Stunden dort bisher gearbeitet wurde, kann man nicht mehr zusammenzählen.
Die Station "Deutsche Waldjugend – Naturschutzturm Berliner Nordrand" wird auch unterrichtliche Möglichkeiten für Schulklassen bieten sowie Informationsort für die Bevölkerung sein. – Mit der Idee zum Naturschutzturm erreichten die Berlin-Brandenburger den 1. Platz beim Umweltpreis des Bezirks Berlin-Reinickendorf (unterstützt von den "Lebendigen Gärten" und dem Architektenpaar Ludewig). Befürwortung kam auch vom Kreis Oranienburg durch Landrat Schröter (inzwischen MdB) sowie den Dezernenten für Ökologie, Herrn Dr. Hilgenfeld, und für Bildung, Herrn Pabst. – Die beiden Gruppen hoffen auf baldige Zustimmung der Treuhand, zumal der Turm Teil des neuen LSG Treugraben wurde.