Montag, 19. November 2001   Landkarte (Beta)

Hochzeitsbaum am Grenzturm

Ehepaar führt Tradition fort

BERGFELDE – Eine feierliche Atmosphäre lag über dem ehemaligen Grenzstreifen am Naturschutzturm, als das frisch gebackene Ehepaar Anneli und Ingo Schönewald am Sonnabend ihren "Hochzeitsbaum" pflanzten. "Wenn es dem Baum gut geht, geht es auch dem Paar gut", wies Marian Przybilla augenzwinkernd auf die traditionelle Verbindung zwischen Brautleuten und ihrem persönlichen Baum hin.

Das Vorstandsmitglied der für den Grenzturm zuständigen "Deutschen Waldjugend" erklärte vor der Pflanzung, dass dies zwar bereits der 16. Hochzeitsbaum auf dem Gelände sei, die Schönewalds ihm aber besonders am Herzen lägen, da beide Mitglieder des Vereins sind.

Der 28-jährige Maler und die gleichaltrige Bauzeichnerin aus Treptow lernten sich im Sommer 1996 im Zeltlager der Waldjugend bei Ueckermünde kennen. Am 1. Januar 2000 verlobte sich das Paar.

Durch die Verbindung zur Waldjugend war schnell klar, dass auch sie die jahrhundertealte Tradition des Baumpflanzens fortführen wollten. Anneli und Ingo Schönewald entschieden sich für eine Buche. Sie wurde in Sichtweite des Turms gepflanzt, da der Bräutigam zu den Mitbegründern der Anlage gehört und im Turm viele Renovierungsarbeiten übernommen hatte.

"Wir werden regelmäßig herfahren und den Baum pflegen", verkündete die Braut, die im Dezember ihr zweites Kind erwartet. Auch der siebenjährige Sohn Philipp half mit Begeisterung bei der Baumpflanzung.

Brautmutter Gudrun Rademacher hatte zum feierlichen Anlass einiges zur Historie des hochzeitlichen Baumpflanzens parat. Die Leiterin des Waldmuseums im Jagdschloss Berlin-Grunewald fand heraus, dass der Große Kurfürst 1686 für jeden Bräutigam zur Bedingung machte, vor der Eheschließung zwölf Bäume zu pflanzen. Er hatte zuvor in den Niederlanden herrliche Baumlandschaften gesehen und hielt die deutschen Fluren im Vergleich dazu für vernachlässigt.

Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten. "Es ist schön, dadurch gerade hier am Grenzturm Leben entstehen zu lassen", erklärte Przybilla.


Victoria Heymann - Märkische Allgemeine (277 Wörter)
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