Mittwoch, 26. Mai 2010   Landkarte (Beta)

Initiatoren des Hochzeitshains erhalten Berliner Naturschutzpreis

Mit Herzen verzierten die Verwandten von Karen und Markus Thulmann den Baumstamm, der das gerade Anwachsen der Wildkirsche unterstützen soll, die das Brautpaar im Anschluss an ihre standesamtliche Trauung im Hohen Neuendorfer Rathaus im Hochzeitshain pflanzte. Eigentlich ist es mehr ein Familienhain, denn der 30. Hochzeitsbaum ist tatsächlich der 59. Baum im Hain, da auch andere Familienereignisse wie Geburten oder Taufen mit dem Pflanzen eines Baumes gekrönt werden.

Apropos Krönung: Neu ist die Idee des Bräutigamsbaumes wahrlich nicht. Das am 5. März 1686 durch den großen Kurfürsten erlassene Pflanzedikt erlegte unter anderem den Pfarrern in den Domänenämter auf, künftig kein Brautpaar mehr zu trauen, wenn der Bräutigam nicht wenigstens sechs junge Obstbäume gepfropft und sechs junge Eichbäume gepflanzt habe. Mangels Praktikabilität hob Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1721 dieses Gesetz wieder auf. Durch ein Edikt vom 19.05.1729 befahl er hingegen das Pflanzen von Obstbäumen, Weiden, Linden, Espen und Ulmen im ganzen Land zu fördern. In dieser Tradition bewegen sich gänzlich ohne Edikte Hochzeitshain-Initiatoren Marian Przybilla und Helga Garduhn von der Deutschen Waldjugend und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Seit der Wende nehmen sie den Ausspruch des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt sehr wörtlich: „Nun muss zusammenwachsen, was zusammengehört“. Im ehemaligen Grenzstreifen pflanzten die beiden Unermüdlichen inzwischen zusammen mit Kindern und Jugendlichen rund um ihren von Grenz- zum Naturschutzturm umgewidmetes Vereinsdomizil rund 80.000 Bäume.

Dafür wurden sie aus den Händen von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer mit dem Berliner Naturschutzpreis 2010 ausgezeichnet. „Sie machen aus einem Ort des Todes auf dem einstigen Grenzstreifen einen Ort des Lebens“ würdigte Laudator Michael Beleites, Mitbegründer der DDR-Umweltbewegung das Engagement der beiden Umweltaktivisten. Es gelinge mit diesem Projekt für nachwachsende Generationen diesen Teil deutscher Geschichte wie auch nachhaltiges Umweltengagement nachvollziehbar und erlebbar zu machen. Mehr Informationen im Internet unter naturschutzturm.de.


Pressemitteilung der Stadt Hohen Neuendorf (287 Wörter)
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