Kampf-Radfahrer auf dem Mauerweg

Grünen-EU-Politiker lud zur Tour Hennigsdorf – Hermsdorf mit Stopp bei der Waldjugend

BERGFELDE. – Längst sollten sie hier sein. Helga Garduhn wird langsam ungeduldig. Die Vorsitzende der Deutschen Waldjugend, Abteilung Berliner Nordrand, erwartet eine Heerschar an Radfahrern, angeführt von Michael Cramer, Europa-Abgeordneter der Grünen. Die Fraktion der Bündnisgrünen im Berliner Abgeordnetenhaus hatte zu einer Radtour entlang des Berliner Mauerwegs von Hennigsdorf nach Hermsdorf geladen. Mit einem Stopp am Naturschutzturm der Waldjugend.

Hatte der Regen ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht? "Keine Sorge, das sind alles Kampf-Radfahrer", beruhigt sie ihr Vize Marian Przybilla. Die Strecke sei eben sehr lang. Er hat Recht. Munter und völlig trocken treffen an die 100 Radler ein. Einige Drahtesel haben die friedlichen Invasoren mit grünen Luftballons dekoriert. An einem Liegerad weht die Grünen-Fahne. Petrus ist zumindest ein Sympathisant – über dem Turm lacht jetzt wieder die Sonne.

Cramer greift zu einem Megaphon. Er bedankt sich bei der Waldjugend für ihr Engagement zum Erhalt von Teilen der Grenzanlage. "Ohne Sie würde der Turm nicht mehr stehen." Und ohne den Grünen-Politiker gebe es hier vermutlich keine Radler. Der Drahtesel-Fan, der sein Auto schon vor Jahren zum Teufel geschickt hatte, gilt als Vater des Mauerwegs. Auf seine Anregung entstand die Strecke, finanziert vom Land Berlin. Er hat dazu sogar einen Radwanderführer verfasst. Bebildert. Der Fotograf ist mitgefahren. Mit 76 Jahren der Älteste.

"Hier kann man zugleich Geschichte, Politik und Natur erleben", so Cramer. Er betrachtet die Schautafeln, die über die Historie des Geländes informieren. "Gerade für Kinder ist die Geschichte der Berliner Mauer wichtig", findet Christian Janssen, der mit seinem Nachwuchs mitgefahren ist. Er bedauert, dass von der Mauer kaum noch etwas übrig sei. Sohn Frederik, mit vier Jahren der jüngste Teilnehmer, bestaunt derweil das rostige Nagelbrett. "Die Riesen-nägel bohren sich durch die dicksten Autoreifen", sagt Przybilla. Zu DDR-Zeiten war der Rost im Sand vergraben. Zur Sicherung der Grenze.

Die Erwachsenen lassen sich von der Waldjugend-Chefin übers Gelände führen. Drei Radlerinnen unterhalten sich lieber angeregt über Küchenkräuter. Dann geht es weiter. Przybilla schaut auf den frisch geteerten, glatten Asphalt. "Keine Straße in Bergfelde ist so schön wie dieser Weg."

Dieser Beitrag wurde unter Naturschutzturm abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Quelle: Fritz Hermann Köser, Märkische Allgemeine Zeitung.

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