Mittwoch, 2. September 2009   Landkarte (Beta)

Tigerente erkundet den Todesstreifen

TV-Team drehte am Naturschutzturm in Bergfelde

HOHEN NEUENDORF. – Zum vierten Mal erzählt Vereinsvorsitzende Helga Garduhn, dass die Waldjugend den ehemaligen Grenzturm vor 20 Jahren übernommen hat und dass eine Jubiläumsfeier vorbereitet wird. Eine Fernsehkamera ist währenddessen auf sie gerichtet, und 26 Fünftklässler der Sankt-Franziskus-Schule Berlin-Schöneberg hören aufmerksam zu. Diesmal ist Redakteur Jo Müller mit der Aufnahme rundum zufrieden. Die Kinder stürmen auf das Turmgelände und holen sich ihre Grillwurst sowie ein Getränk ab.

Gemeinsam mit Helga Garduhn und Marian Przybilla von der Waldjugend hatten die Fünftklässler gerade den ehemaligen Todesstreifen erkundet. Sie hatten Stellen aufgesucht, an denen junge DDR-Bürger bei ihrer Flucht nach Westberlin erschossen wurden. Den ehemaligen Grenzpfahl, die Gedenktafel. Und sie bekamen einen Eindruck von der Natur, die diesen Streifen längst zurückerobert hat. Leben statt Tod.

Sensation für die Fünftklässler war eine glänzende Blindschleiche, die sich während der Entdeckungstour in den Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit schlängelte. Gespannt lauschten sie den Erklärungen. Die Klasse sei schon öfter am Naturschutzturm gewesen, erzählt Wiktoria Skrypko. Es sei toll, die Natur zu erleben, sagt die Neunjährige. Den TV-Auftritt im Tigerenten-Club hält Leandra Turan für den Höhepunkt des Ausflugs – natürlich inklusive Autogrammstunde mit den beiden Moderatoren.

Ein- bis zweimal jährlich biete die Sankt-Franziskus-Schule einen Projekttag in Bergfelde an, sagt Klassenlehrerin Agnes Prüfer. Das gelte von der ersten bis zur 13. Jahrgangsstufe. Es gehe darum, ein "Bewusstsein für die Berliner Mauer" zu schaffen. Die sei "nicht mehr zu sehen und weit weg", sagt die Lehrerin. Außerdem sei bei einer innerstädtischen Schule auch die Naturerfahrung wichtig.

Genau diese Kombination sowie die Kontakte von Marian Przybilla haben auch das siebenköpfige Fernsehteam nach Bergfelde geführt. "Wir haben hier eine perfekte Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart", sagt Redakteur Jo Müller. Die Herausforderung habe darin bestanden, das Thema "20 Jahre Mauerfall" für Kinder aufzubereiten. Der Turm mit seiner negativen Geschichte und dem positiven Wandel biete sich dafür hervorragend an. Weitere Stationen für die "Xtra"-Sendung des Tigerenten-Clubs seien das Sandmann-Studio in Babelsberg, ein Trabi-Treffen in Zwickau, ein DDR-Museum in Leipzig und das ehemals geteilte 50-Einwohner-Dorf Mödlareuth gewesen.

Am Nachmittag dokumentierten die Fernsehleute die vielfältige Arbeit der Nachwuchsnaturschützer am Turm, darunter die der jungen Imker. Zu ihnen gehören der elfjährige Florian Wenzel und sein jüngerer Bruder Julian. "Wir treffen uns jede Woche freitags", berichtet Florian. Vier eigene Bienenvölker betreue die Gruppe.

Diese Naturschutzarbeit ist zwei Lehrern zu verdanken, moderiert Katharina Gast am Nachmittag auf dem Turmdach in die Kamera. Marian Przybilla erzählt von seiner Arbeit auf der Westseite, Helga Garduhn von ihrer im Osten. Auch das brauchte zwei, drei Anläufe.

Sendetermine…


Helge Treichel, Märkische Allgemeine (413 Wörter)
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