Teilnehmer eines internationalen Workcamps pflegen Linden
BERGFELDE. – Mit einem Handwagen transportieren Alexej und Alex in brütender Hitze das Wasser zu den Linden. Die beiden 18-Jährigen wässern die Bäume entlang dem ehemaligen Grenzstreifen am Turm der Deutschen Waldjugend. Die 22-jährige Dina füllt die Eimer und Gießkannen und spritzt das Wasser direkt aus dem Schlauch an die dünnen Stämmchen, die im staubigen Zuckersand stehen. Die drei nehmen an einem Camp des Vereins Service Civil International (SCI) teil.
Zwei Wochen lang arbeiten insgesamt 13 Teilnehmer aus Russland, Polen, Belgien, Italien, Thailand, Kanada und der Ukraine für dieses Projekt. Dabei geht es darum, das wuchernde Reitgras zwischen den Bäumen zu entfernen, diese mit Wasser zu versorgen und eine Teilfläche des 4.000 Quadratmeter großen Wildgartens für ein Gehölzbeet urbar zu machen. Betreut wird die Truppe ehrenamtlich von Ulrike Fölsche von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Waldjugendchefin Helga Garduhn sowie ihrem Vize Marian Przybilla. Die jungen Helfer im Alter ab 18 Jahren wohnen kostenfrei auf einem Künstlerhof in Berlin-Frohnau, nur einige Gehminuten vom ehemaligen Grenzturm entfernt. Dort wird gemeinsam gewohnt, gekocht und gegessen.
Der völkerverständigende Aspekt dieses Einsatzes für die Umwelt ist Alex Grasnow wichtig. Er ist in Nižniy Novgorod zu Hause und studiert Wirtschaft. "Außerdem ist es der preiswerteste Weg zu reisen und Leute zu treffen", sagt er. Das gute soziale Klima im Camp schätzt auch Dina Butakova. Die 22-Jährige hat gerade ihr Psychologie-Studium beendet und hält derartige Treffen für "kleine Schritte zum Frieden". Außerdem ist sie zum ersten Mal in Deutschland.
Und so nutzen die Teilnehmer ausgiebig die Möglichkeit, nach der Arbeit die Umgebung und Berlin zu erkunden. Die geradezu symbolische Arbeit am ehemals kahl geschlagenen Mauerstreifen beeindruckt den Italiener Tullio Padovese aus Mestre (Venedig). Der 31-Jährige ist selbst Lehrer und will seinen Schülern von den Erlebnissen und Entdeckungen in Deutschland und an diesem historischen Ort berichten. Als Campleiterin fungiert Jeva Grybauskaite, die aus Litauen stammt und seit sieben Jahren in Deutschland lebt und studiert (Geschichte, Politik, Anglistik). Sie hat Erfahrung beim Betreuen von Kindern und Jugendlichen und bewarb sich konkret für dieses Projekt.
Dafür engagiert sich auch der im Juni 2005 gegründete Rotary Club Hennigsdorf/Oranienburg. Dessen Mitglieder spendierten den Camp-Mitgliedern eine Schiffstour auf dem Tegeler See, einen Grillabend, eine Potsdam-Tour und drei Stunden Turm-Erlebniscity. Außerdem begleiten Rotarier die Ausflüge.
SCI ist eine der ältesten Friedens- und Freiwilligenorganisationen. Diese Organisation wurde nach dem Ersten Weltkrieg von den Schweizer Pazifisten Pierre Ceresole und Helen Monastiere gegründet. Eines der ersten Projekte war der Wiederaufbau eines zerstörten französischen Dorfes in der Nähe von Verdun. Inzwischen gibt es den SCI in mehr als 35 Staaten. In Berlin und Brandenburg gibt es in diesen Wochen vier Workcamps.