Freude und Freunde

Die Maueröffnung aus persönlicher Sicht

9. November 1989 – ein Donnerstag wie all die anderen Donnerstage vorher in der Berliner Waldjugend: Gruppenstunde, diesmal eine Wanderung im Tegeler Fließtal. Auf dem abendlichen Heimweg sagt ein Nachrichtensprecher so etwas von Öffnung der Mauer … ich überhörte es. Solche Meldungen gehören nicht zur Vorstellungswelt eines Inselberliners. Daheim wird es Wirklichkeit. Nein, so richtig ging das noch monatelang nicht in den Kopf. Es ist aber Realität, eine schöne!

Weihnachten konnten wir Berliner auch ohne große Formalitäten ins Umland, allerdings hatten wir uns diese Freizügigkeit nicht durch Demonstrationen erkämpft! Zaghaft unternahmen wir erste Erkundungen. Rasch waren neue Freunde gefunden, wertvolle Freundschaften entstanden. – Auf der „Grünen Woche 1990“ schlossen wir gute Kontakte. Anfang März war die erste bundesweite Waldschutzaktion in Potsdam, fünf weitere folgten. Wie unbürokratisch alles ablief! Doch, man kann es ruhig so nennen: Wir waren überrascht von der solidarischen Hilfe der Waldläufer aus dem Bundesgebiet. Hans aus Hamburg wollen wir doch mal lobend nennen! – Ebenfalls im März pflanzten wir in Ost-Berlin Bäume im Wald. Im Juni lernten wir die „Ökokekis“ nördlich von Berlin kennen. Gemeinsam gingen wir das Projekt „Naturschutzturm“ auf dem früheren Grenzstreifen an, als wenn es das Normalste auf der Welt wäre. Zusammen fuhren wir gleich zum Bundeslager. Kurz nach unserer Rückkehr kamen die neuen Waldläufer aus Sachsen zu besucht. Im Sommer trafen wir uns mit jungen Leuten aus Tschernobyl, die in der Stadt waren. Unser Patenförster Hamer hatte den Kontakt geknüpft. Im Herbst machten ein paar Berliner mit bei der Aktion „Gesunder Wald“ des Bezirks Potsdam. Ach ja, Helferdienste auf dem Katholikentag galt es auch zu leisten. Und an „unserem Donnerstag“ trafen wir uns weiterhin regelmäßig.

Wenn man bedenkt, daß wir erst seit 1987 bestehen, daß wir nur so wenige sind, so hat jeder der „Brummbären“ außerordentliches in diesem Jahr geleistet. Jeder einzelne spürte, daß er gebraucht wird und war da, wenn wieder einmal etwas „gestern“ erledigt werden sollte. Jeder Tag müßte 48 Stunden haben.

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