10 Jahre Osterlager in Krampnitz

Forsteinsatz im Königswald und Besuch im Deutschen Bundestag am Tag des Baumes

Was haben Maiskolben und weiße Mäuse gemeinsam? – Beide sind manchmal auf Zeltlagern der Waldjugend anzutreffen. – Doch nicht nur die Mäuse treiben dort ihr Unwesen. Nachts nämlich spukt es gelegentlich im Potsdamer Königswald: Im Mirenturm lebt der gefürchtete Motorsägenmann. Und auf dem Weg durch den Wald geschehen recht merkwürdige Dinge: Der sechsarmige Bandit, Menschenfischer, Fallensteller. – Der nächtliche Hajk hat nicht nur den Wildlingen, sondern auch den „Darstellern“ sehr viel Spaß gemacht.

Mit wolkenlosem Himmel und sonnig warmen 21° C begann am 21. April das Osterlager 2000 in Krampnitz am Rande des Königswaldes bei Potsdam. Auf dem Lagerplatz am Ufer des Lehnitzsees haben sich etwa 80 Waldläufer aus fünf verschiedenen Bundesländern versammelt. – Die neue Lagerleitung – Micha und Aline – hat ihre Sache gut gemacht. Gut? Nein, sehr gut!

Forsteinsatz im Königswald

Vor dem Spaß hat der Waldgott die Arbeit gesetzt: Die Brücke an der Römerschanze wurde einiger Neu- und Umbaumaßnahmen unterzogen. Die Baumeister haben sich bemüht, ein modernes Design mit einer wandalenresistenten Bauweise zu verknüpfen. Die wunderschön ausgeformten Fasen an den Stützpfeilern der Geländer sind besonders beachtenswert!

Auch die kreative Linienführung der Handläufe am Fuße der Römerschanze verdient besondere Aufmerksamkeit: Sie passt sich optimal der Geländeform an. – Nun mal im Ernst (nicht im Detlef): Der Königswald ist ein beliebtes Erholungsgebiet. Und das soll auch so bleiben. Leider kennen Mountainbiker keine Grenzen: Wo ein Hügel ist, muss man runter. Irgendwann wächst da kein Gras mehr (geschweige denn ein Baum) und der nächste Regen gibt den Rest: Der plattgemachte Boden rutscht lawinenartig den Hang hinunter. Die Bodenerosion setzt sich fort. – Um dies zu verhindern, haben wir mit Reisighaufen und Baumstämmen den Weg verbaut, so dass man nur noch in engen Serpentinen die Römerschanze herunterfahren kann. – Schlecht für Kamikaze-Biker, gut für die Zukunft dieses alten Bodendenkmals aus der Bronzezeit.

Nahe der Liebesinsel wurde der Wald von den Überresten der sogenannten „Zivilisation“ befreit: leere Flaschen, rostige Dosen und zerknüllte Kunststoffbehälter (auf säch’sch auch Blastebehälder genannt).

Ein Höhepunkt des Lagers war das Osterfeuer, bei dem auch Gäste aus der Oberförsterei Potsdam und der SDW anwesend waren. Nachdem Bundesgeschäftsführer und Berliner Ehrenmitglied „Tönnchen“ nochmals kurz die allgemeinen waldläuferischen Gepflogenheiten erläutert und zwei neue Mitglieder standesgemäß aufgenommen hatte, begann der gemütliche Teil des Abends: Marion und Oli bereiteten einen schmackhaften Tschai. Schnitzel belebte die Klampfe. Ein Fackeljongleur bot seine hohe Kunst dar.

Ein wenig Bildung hat noch nie geschadet: Am Montag gab es eine interessante Führung durch die Spandauer Zitadelle, an deren Ausbau zur Festung sich der italienische Baumeister und spätere Festungskommandant Graf Rochus zu Lynar im 16. Jahrhundert eine goldene Nase verdient hat. Im selben Jahrhundert musste Anna Sydow – die Geliebte des zwischenzeitlich verstorbenen Kurfürsten Joachim II. – bis zu ihrem Tode vier Jahre lang im Kerker ihr tristes Dasein fristen. Na ja – wäre Alex zu jener Zeit Kerkermeister gewesen … die Sache wäre ganz anders ausgegangen.

Am Abend stellte ein Mixdorfer Entfesselungskünstler seine Begabung unter Beweis, wenn auch möglicherweise ein wenig unfreiwillig. – Stoff für neues Liedgut wurde gefunden: „Ach lass mich doch in deinem Wald der Oberförster sein …“.

Besuch im Deutschen Bundestag am Tag des Baumes

Der wahre Höhepunkt jedoch fand am 25. April zum Tag des Baumes statt: Auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Sylvia Voß und ihres Referenten Dr. Reuter stand ein Besuch im Reichstagsgebäude an. – Christo hat ihn verhüllt und Norman Foster hat ihn umgebaut: Für ’nen ollen Berliner wird es immer der Reichstag bleiben. Aber wir haben während des Vortrages im Plenarsaal gelernt, dass es sich korrekterweise um den Deutschen Bundestag Plenarbereich Reichstagsgebäude handelt.

Sylvia Voß vertritt für das Bündnis 90/Die Grünen den Wahlkreis Potsdam im Deutschen Bundestag. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Tourismus sowie Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. – Die Führung durch das Haus war sehr interessant und informativ. Und die lockere Atmosphäre während des Gesprächs mit Frau Voß hat den einen oder anderen motiviert, sich doch ein wenig mehr mit Politik zu beschäftigen und davon überzeugt, dass es doch noch Politiker gibt, die sich ernsthaft mit den Fragen und Problemen des „gemeinen Volkes“ auseinandersetzen. Politik wurde greifbar und transparent. – Gerne werden wir diesen Kontakt aufrecht erhalten.

Bleibt als Anmerkung nur noch hinzuzufügen, dass es sich bei der Farbe der Sitze im Plenarsaal ist nicht etwa schlicht und einfach um lila handelt, sondern nach Angaben von Mr. Foster um „Reichstag Blue“.

Das nächste Osterlager des Landesverbandes Berlin-Brandenburg kommt bestimmt. Jedenfalls laden wir Euch heute schon herzlich hierzu ein.

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