Der Landespatenforst Königswald in Potsdam

Der Königswald ist Bestandteil des 9.933 Hektar umfassenden Landschaftsschutzgebietes „Königswald mit Havelseen und Seeburger Agrarlandschaft“. – Im März 1990 wurde mit der „1. Waldschutzaktion“ eines der ersten deutsch-deutschen Naturschutzprojekte der Waldjugend ins Leben gerufen. Seither ist das nördlich von Potsdam gelegene Waldgebiet Landespatenforst der Waldjugend in Berlin und Brandenburg.

Zeit des Umbruchs – Zeit des Aufbruchs: Wie alles anfing

Die Geschichte des Landespatenforstes beginnt in einer Zeit, in der alles ganz anders war: Deutschland ist zweigeteilt. Da gibt es die Bundesrepublik Deutschland auf der einen Seite und die Deutsche Demokratische Republik auf der anderen Seite. Und so teilt sich auch die Stadt Berlin in einen Westteil und einen Ostteil. Und mitten hindurch verläuft eine nahezu unüberwindliche Mauer. Genau in dieser Zeit begegnen wir Heinz Nehmitz. Er ist Förster im sogenannten freien Westteil Berlins. Sein Revier ist der Grunewald. Oft sitzt er am Ufer der Havel und schaut hinüber zur Sacrower Heilandskirche: „Dort drüben beginnt die DDR. – Wer mag nur der Kollege sein, der Tag aus und Tag ein seine Arbeit macht, genau wie ich?“

Dann kommt der 9. November 1989 und die Mauer fällt. – Heinz Nehmitz erfüllt sich den lang ersehnten Wunsch und fährt hinüber nach Krampnitz, um seinen Arbeitskollegen kennenzulernen. Und hier trifft er auf Revierförster Jacob Georg – von uns heute liebevoll „Schorsch“ genannt. – Im Laufe eines längeren Abends kommen sich die beiden schnell näher. „Schorsch“ klagt sein Leid über die unzähligen Menschen, die nun als Folge der neu errungenen, leider aber oft falsch verstandenen „grenzenlosen Freiheit“ mit ihren Autos kreuz und quer durch den Königswald fahren, um das neue Land zu erkunden.

Die Ziele und deren Umsetzung

Der Potsdamer Königswald gehörte zum Grenzgebiet der DDR und war die vergangenen 40 Jahre lang fast unberührt. So konnte hier ein einzigartiges und schützenswertes Biotop heranwachsen. Kurz zusammengefasst: Die Schilfgürtel rund um Lehnitzsee und Sacrower See sind gefährdet. Viele fahren mit dem Auto bis fast in den Schilfbereich, um an das Wasser zu gelangen. Doch glücklicherweise hat Heinz Nehmitz Kontakt zu einer Jugendgruppe, deren Ziel der Schutz und die Erhaltung der Wälder ist: Die Waldjugend.

Die Ziele sind klar: Dem Königswald und seiner einzigartigen Vegetation muss geholfen werden! Aber wie? Durch gemeinsames engagiertes Handeln, durch die Bündelung von Ideen und Fachwissen aus Ost und West! Anfang 1990 erfolgt ein ersten Gespräch mit Marian Przybilla, dem damaligen Landesleiter der Waldjugend in Berlin. Dann ein paar Telefonate mit Hans Kiefer aus Hamburg, mit dem Bundesgeschäftsführer der Waldjugend Jörg Franz – wegen seiner vollschlanken Figur auch „Tönnchen“ genannt – und mit der Potsdamer Oberförsterin Waldtraut Schlick, der Chefin von „Schorsch“.

Vom 9. bis 11. März dann findet die „1. Waldschutzaktion im Königswald Potsdam“ mit etwa 60 bis 70 tatkräftigen Waldläufern aus der gesamten Bundesrepublik und zahlreichen Helfern aus der DDR statt. – Zunächst werden entlang der Straße zwischen Krampnitz und Sacrow 333 Holzpoller und 32 Schlagbäume gesetzt, 45 Schilder aufgestellt, 10 Holzbänke sowie 75 Meter Wildzaun und 30 Meter Barrieren gezogen. Die Nationale Volksarmee der DDR sorgte mit einer Feldküche für Verpflegung … ein „Feindkontakt“ der angenehmen Art!

In den nachfolgenden Jahren – Deutschland ist inzwischen vereint – folgen regelmäßig weitere Waldschutzeinsätze, in denen es im Wesentlichen um die Aufforstung des ehemaligen Grenzstreifens, Maßnahmen zum Schutz der Uferzonen um Sacrower See, Krampnitz- und Lehnitzsee sowie um den Erhalt des Bodendenkmals Römerschanze (Königswall) geht.

Das Osterlager

Der Anfang ist gemacht. Und es entwickelt sich so etwas, was man im Nachhinein wohl als Tradition bezeichnen kann: Das Osterlager. – In jedem Jahr findet es (mindestens) von Karfreitag bis zum Ostermontag auf unserem Lagerplatz in Krampnitz statt. Krampnitz ist ein kleiner Ort am nord-westlichen Rand des Königswaldes und Standort der Revierförsterei. Hier steht uns ein kleines Stück Wiese direkt am Ufer des Lehnitzsees als Zeltlagerplatz zur Verfügung.

Das Osterlager ist Treffpunkt von Waldjugend-Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet. Neben dem obligatorischen Forsteinsatz im geschichtsträchtigen Königswald bietet das Programm ausreichend Zeit für Exkursionen nach Berlin und in die Mark Brandenburg:

  • Römerschanze (Königswall) im Königswald – Ein 3.000 Jahre altes Bodendenkmal: Hier haben in der Bronzezeit einst etwa 1.000 Menschen Schutz und Zuflucht gesucht und gefunden.
  • Sacrower Heilandskirche – Weltkulturerbe der UNESCO.
  • Potsdam mit seinen Schlössern und Gärten: Schloss Cecilienhof (die Verhandlungen um Deutschlands Zukunft nach dem zweiten Weltkrieg), Schloss Sanssousi, das neue Palais.
  • Döberitzer Heide – ein zuletzt von der russischen Armee und heute noch zu einem geringen Teil von der Bundeswehr genutzter Truppenübungsplatz: Auch hier konnte sich in mehr als vierzig Jahren eine außergewöhnliche Vegetation entwickeln.
  • Fort Hahneberg – ursprünglich zum Schutz der Havelstadt Spandau (heute ein Teil von Berlin) konzipiert, noch vor Vollendung der Bauarbeiten von der Entwicklung der Waffensysteme eingeholt, im zweiten Weltkrieg als Kaserne genutzt, in der DDR-Zeit im Grenzgebiet zerfallen und heute ein Biotop mit einer einmaligen Artenvielfalt an Fledermäusen.

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