Naturnahe Waldwirtschaft

Ökologischer Waldumbau in Theorie und Praxis

Das Land Brandenburg verfügt über rund 1,1 Millionen Hektar Wald, was etwa 37 Prozent der Landesfläche entspricht. Somit gehört Brandenburg zu den waldreichsten Ländern der Bundesrepublik. Mit einem Anteil von knapp 80 Prozent ist die Kiefer, meist in Reinbeständen, die dominierende Baumart in Brandenburg. Unter natürlichen Bedingungen würde sie nur etwa 13 Prozent der Waldfläche einnehmen.

Diese gravierende Abweichung vom natürlichen Zustand führt zu einer Vielzahl ökologischer und auch wirtschaftlicher Probleme. Das Ziel des ökologischen Waldumbaus ist es, durch Bewirtschaftungsmaßnahmen einen Wechsel von Betriebsform und Baumartenmischung in Waldbeständen herbei zu führen. Ein wichtiges Merkmal des ökologischen Waldumbaus ist das Bestreben, in Wirtschaftswäldern die Baumarten in angemessenen Anteilen zu beteiligen, wie sie auch von Natur aus den Wald prägen würden. Damit wird versucht, mehrschichtige und strukturreiche gemischte Dauerwälder an denjenigen Standorten aufzubauen, an denen dies den natürlichen Gegebenheiten entspricht.

Durch den ökologischen Waldumbau soll die Arten- und Strukturvielfalt (Biodiversität) erhöht und zugleich die ökologische und physikalische Stabilität der Waldökosysteme verbessert werden. Das wesentliche Prinzip bei allen Maßnahmen ist die möglichst weitgehende Ausnutzung natürlicher Abläufe und Selbststeuerungsmechanismen des Ökosystems. Darunter versteht man unter anderem das Potenzial der Wälder, sich auf natürliche Weise zu verjüngen. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen durch geringere Investitionen stellt der ökologische Waldumbau einen wesentlichen Beitrag für eine Waldwirtschaft dar, die eine Integration aller Waldfunktionen (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) auf der selben Fläche anstrebt.

Forschung für den Wald der Zukunft

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat 1998 das Forschungsprogramm „Zukunftsorientierte Waldwirtschaft“ initiiert. An diesem Projekt waren insgesamt sechs Bundesländer mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten beteiligt. Der Forschungsverbund „Nordostdeutsches Tiefland“ konzentrierte sich dabei schwerpunktmäßig auf die Waldgebiete der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Ziel war es, wissenschaftlich fundierte Grundlagen für den „Wald der Zukunft“ zu erarbeiten. Fragestellungen waren hierbei beispielsweise die Auswahl geeigneter Umbaubestände, die Wahl der geeigneten Baumarten nach Mischungsanteil und -form sowie die Art und Weise der Bestandsbegründung.

Diesen Aufgaben haben sich innerhalb des Forschungsverbundes unterschiedliche Forschergruppen gewidmet und so ein breites Spektrum von Untersuchungen zum ökologischen Waldumbau abgedeckt. Die Ergebnisse des Forschungsprogramms wurden Anfang September 2003 in Berlin vorgestellt. Sie geben praktische Hinweise für eine neue Ausrichtung der Forstwirtschaft. Die Projekte belegen unter anderem die Vorteile des Mischwaldes im Vergleich zu Monokulturen. Die Untersuchungen zu den ökologischen Auswirkungen des Waldumbaus liefern auch eine wichtige Basis zur Lösung von Zielkonflikten zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft und tragen zur Nachhaltigkeit bei.

So zeigt eine Studie zur ökologischen Waldentwicklung in Brandenburg die positiven Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Wird dort, wie geplant, ein Viertel der Waldfläche mit reinem Kiefernbestand großzügig mit Laubbäumen unterbaut, können die Wälder jährlich 100 Millionen Kubikmeter zusätzliches Grundwasser im Boden speichern. Dies entspricht dem Wasserverbrauch aller privaten Haushalte in Brandenburg. Bei steigendem Buchenanteil sinkt zudem der schädliche Nitratanteil im Wasser.

Waldumbau in Brandenburg

Naturnaher Waldumbau bedeutet für Brandenburg vor allem eine langfristige Maßnahme zur ökologischen Stabilisierung der Kiefernwälder. Das Ziel ist es, unter den Rahmenbedingungen des deutlichen Klimawandels, der sich mit höheren Temperaturen und geringeren Niederschlägen abzeichnet, mit Laubbäumen gemischte Nadelwälder zu schaffen.

Allein im Landeswald eignet sich dafür von den Bodenqualitäten her ein Potenzial von etwa 140.000 Hektar Wald. Dabei werden vorrangig die Kräfte der Natur genutzt: Im Landeswald gilt der Grundsatz, dass zunächst die Naturverjüngung einbezogen wird, bevor Laubbäume, meist Eichen oder Buchen, gesät oder gepflanzt werden. In den letzten fünf Jahren wurden 7.555 Hektar Laub-Nadelholz-Mischwälder geschaffen. In den nächsten Jahrzehnten sollen im Landeswald etwa 100.000 Hektar Kiefernwälder schrittweise umgebaut werden.

Im Privatwald wird der Waldumbau mit einer Reihe von Fördermaßnahmen finanziell unterstützt. Im Ergebnis wird der Wald widerstandsfähiger gegenüber schädlichen Insekten und abiotischen Einflüssen wie Trockenheit, Sturm und Nass-Schnee. Auch gegenüber Waldbränden sind Mischwälder weniger anfällig, weil in ihnen ein feuchteres Waldinnenklima herrscht. Der Waldumbau von Kiefernreinbeständen in Laub- und Mischwälder führt unter den klimatischen Bedingungen der Region Berlin-Brandenburg zu einem deutlichen Anstieg bei der Neubildung von Grundwasser. Gleichzeitig erhöht sich die Wasserspeicherkapazität trockener Waldböden aufgrund der Humusanreicherung. Die Folge: Der oberflächliche Abfluss reduziert sich und es können größere Mengen an Wasser in der Landschaft zurückgehalten werden. Die Ziele sowie die Art und Weise einer standortgerechten und naturnahen Waldbewirtschaftung sind in Brandenburg in der Waldbaurahmenrichtlinie festgeschrieben.